Heimische Holzarten
Sieben Hölzer, die in Werkstätten am Rhein seit Jahrhunderten verarbeitet werden – mit ihren Eigenschaften, ihrer Rohdichte, typischen Einsatzgebieten und ihrem Anteil am deutschen Wald.
Woher die Zahlen stammen
Die Angaben zur Häufigkeit der Baumarten beruhen auf der Bundeswaldinventur 2022 (BWI 2022), die das Thünen-Institut im Auftrag des Bundes durchführt. Danach sind rund 11,5 Millionen Hektar Deutschlands bewaldet, das entspricht etwa 32 Prozent der Landesfläche. Auf dieser Fläche stehen rund 3,7 Milliarden Kubikmeter Holz, im Mittel 335 Kubikmeter je Hektar. Laubbäume nehmen etwa 47 Prozent, Nadelbäume etwa 50 Prozent der Holzbodenfläche ein; der Rest sind Lücken und Blößen.
Die Rohdichte-Angaben in der Tabelle sind Richtwerte bei etwa 12 Prozent Holzfeuchte, wie sie in der Fachliteratur üblich sind. Holz ist ein natürlicher Werkstoff, die Werte schwanken je nach Standort, Wuchs und Jahrringbreite teils erheblich. Für Berechnungen im Bauwesen gelten andere, normierte Kennwerte.
Übersichtstabelle
Rohdichte gerundet, Flächenanteile nach BWI 2022 (Anteil an der Holzbodenfläche).
| Holzart | Botanisch | Rohdichte ca. (kg/m³) | Härte / Charakter | Typische Verwendung | Anteil im Wald |
|---|---|---|---|---|---|
| Eiche | Quercus robur / petraea | 650–760 | hart, zäh, dauerhaft | Möbel, Parkett, Fenster, Fass, Fachwerk | 11,5 % |
| Buche | Fagus sylvatica | 680–720 | hart, schwer, gut biegbar (gedämpft) | Stühle, Treppen, Werkbänke, Werkzeuggriffe | 16,6 % |
| Esche | Fraxinus excelsior | 650–690 | hart, sehr elastisch, zäh | Stiele, Sportgeräte, Treppen, Möbel | 1,8 % |
| Ahorn | Acer pseudoplatanus / platanoides | 590–630 | hart, hell, feinporig | Tischplatten, Musikinstrumente, Drechselarbeiten | 3,0 % |
| Nussbaum | Juglans regia | ca. 680 | mittelhart bis hart, zäh, edel | Furnier, Möbel, Innenausbau, Schnitzerei | sehr gering |
| Kiefer | Pinus sylvestris | 500–520 | weich bis mittelhart, harzreich | Fenster, Türen, Bauholz, Möbel | 21,8 % |
| Fichte | Picea abies | 430–470 | weich, leicht, tragfähig | Bauholz, Dachstuhl, Verpackung, Resonanzholz | 20,9 % |
Quelle Flächenanteile: Thünen-Institut, Bundeswaldinventur 2022 (Ergebnisbroschüre). Weitere Arten: Lärche etwa 2,9 %, Douglasie 2,4 %, Tanne knapp 2 %. Die Walnuss wird in der Inventur nicht als eigene Hauptbaumart ausgewiesen.
Die Laubhölzer
Eiche – das Holz der Dauer
Kaum ein Holz ist so eng mit der Baugeschichte am Rhein verbunden wie die Eiche. Fachwerkhäuser im Mittelrheintal, Weinfässer in Rheinhessen und der Pfalz, Dielenböden in rheinischen Bürgerhäusern – überall war und ist Eiche gefragt. Das liegt an ihrem hohen Gerbsäuregehalt, der das Kernholz auch im Außenbereich dauerhaft macht, und an ihrer Festigkeit. Für die Werkstatt heißt das: Eiche ist zäh zu bearbeiten, verlangt scharfe Werkzeuge und verfärbt sich bei Kontakt mit Eisen dunkel. Dafür belohnt sie mit einer ausdrucksstarken Textur, besonders im Spiegelschnitt, wo die Markstrahlen als helle „Spiegel“ erscheinen. Mit 11,5 Prozent Flächenanteil ist die Eiche nach der Buche die zweithäufigste Laubbaumart in Deutschland.
Buche – die Häufigste
Die Rotbuche ist mit 16,6 Prozent die häufigste Laubbaumart im deutschen Wald und ohne forstliche Eingriffe würde sie weite Teile Mitteleuropas dominieren. Ihr Holz ist hart, schwer und gleichmäßig strukturiert, aber wenig witterungsbeständig und neigt zum „Arbeiten“. In der Werkstatt ist sie trotzdem unverzichtbar: Hobelbänke, Werkzeughefte, Stuhlgestelle und Treppenstufen bestehen oft aus Buche. Gedämpftes Buchenholz lässt sich hervorragend biegen – die Grundlage der klassischen Bugholzstühle.
Esche – elastisch und zäh
Wer je einen Hammer- oder Axtstiel in der Hand hatte, kennt die Esche. Ihr Holz vereint hohe Festigkeit mit außergewöhnlicher Elastizität und federt Schläge ab, ohne zu splittern. Deshalb findet man sie auch bei Sportgeräten, Treppenwangen und Werkbänken. Die Esche ist allerdings seit einigen Jahren durch das Eschentriebsterben, eine Pilzerkrankung, stark bedroht; ihr Anteil im Wald liegt nur noch bei knapp 2 Prozent und geht zurück.
Ahorn – hell und feinporig
Bergahorn und Spitzahorn liefern ein helles, fast weißes Holz mit feiner, gleichmäßiger Struktur. Es lässt sich sauber hobeln und drechseln und nimmt Oberflächenbehandlungen gleichmäßig an. Im Instrumentenbau ist der Bergahorn mit seiner „geriegelten“ Textur für Böden und Hälse von Streichinstrumenten begehrt. In der Möbeltischlerei wird Ahorn für helle Tischplatten und Innenausbau geschätzt. Sein Flächenanteil im Wald liegt bei etwa 3 Prozent.
Nussbaum – das Edelholz
Die Walnuss ist in Deutschland kein Waldbaum im eigentlichen Sinn; sie wächst meist einzeln in Gärten, an Höfen und in Weinbaulagen – auch entlang des Rheins, wo das milde Klima ihr entgegenkommt. Ihr Holz ist mittelschwer bis schwer, feinfaserig, zäh und sehr formstabil nach der Trocknung. Es lässt sich hervorragend bearbeiten, polieren und schnitzen. Wegen seiner Seltenheit wird Nussbaum überwiegend als Furnier verwendet; massiv ist er den anspruchsvollsten Möbeln vorbehalten.
Die Nadelhölzer
Kiefer – harzreich und vielseitig
Die Waldkiefer ist mit 21,8 Prozent Flächenanteil heute die häufigste Baumart Deutschlands, vor allem auf den sandigen Böden des Nordens und Ostens. Ihr Holz hat einen deutlich abgesetzten, rötlichen Kern, ist harzreich und mäßig dauerhaft. Es eignet sich für Fenster, Türen, Fußböden und Möbel, muss aber vor dem Lackieren oft von Harzaustritt befreit werden. Für die Handarbeit ist Kiefer angenehm: weich genug für zügiges Hobeln, fest genug für saubere Verbindungen.
Fichte – der Brotbaum der Forstwirtschaft
Lange war die Fichte die flächenmäßig wichtigste Baumart Deutschlands; Dürre, Sturm und Borkenkäfer haben ihren Anteil zuletzt deutlich verringert, laut BWI 2022 auf 20,9 Prozent. Ihr leichtes, helles und tragfähiges Holz ist das klassische Bauholz: Dachstühle, Balken, Schalungen, Verpackungen. Ausgesuchte, feinjährige Stämme aus Hochlagen dienen als Resonanzholz für Decken von Gitarren und Klavieren. In der Möbeltischlerei spielt Fichte eine Nebenrolle, in der Zimmerei ist sie der Standard.
Faustregel für die Werkstatt
Je höher die Rohdichte, desto härter und schwerer das Holz – und desto schärfer müssen Hobeleisen und Stemmeisen sein. Weiche Nadelhölzer verzeihen stumpfe Werkzeuge eher, reißen dafür aber leichter aus. Wie Sie Werkzeuge scharf halten, erklärt die Werkzeugkunde.